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Marathon: Extraction-Shooter mit Identitätskrise

Bungie meldet sich zurück, Leute! Mit Marathon belebt das Studio hinter legendären Shooter-Giganten wie Halo und Destiny eine seiner ältesten Marken neu… diesmal allerdings nicht als storygetriebenes Epos, sondern als knallharten PvPvE Extraction Shooter. Die Erwartungen in der Community waren im Vorfeld natürlich absolut gigantisch. Warum? Weil Bungie eigentlich für dieses „perfekte Gunplay“ und atmosphärisch dichte Welten bekannt ist. Viele von uns haben gehofft, dass sie das oft sehr nischige, gnadenlose Extraction-Genre (wir schaue euch an, Escape from Tarkov und Hunt Showdown) nehmen und mit der typischen Bungie-Magie für den Massenmarkt zugänglich, stylisch und vor allem spaßig machen, ähnlich wie es Embark Studios mit Arc Raiders gelungen ist.

Marathon Start

Aber hat Bungie da kurz vor dem Release am 5. März wirklich geliefert? Ich habe den Server Slam, der jetzt Ende Februar lief, für einige Stunden am Stück gespielt (auf der PS5 und XSX) und mich mit meiner Runner-Hülle in die Runden gestürzt. Hier ist mein Subjektiver aber ehrlichen Eindruck und die Antwort auf die brennende Frage: Hat Marathon eine rosige Zukunft oder verschwindet dieser 40-Euro-Titel bald wieder in der Live-Service-Versenkung á la Concord?

Optik und Artstyle: Zwischen Next-Gen und Klemmbausteine

Fangen wir direkt mit dem Positiven an, denn Ehre, wem Ehre gebührt: Die Technik stimmt. Das Spiel läuft auf der Xbox Series X und der PlayStation 5 wunderbar flüssig, die Server waren (im Gegensatz zu manch anderem Launch) wirklich stabil, und grafische Spielereien wie Spiegelungen oder diese cool animierten Plastikvorhänge sehen zugegebener maßen schon super aus. Props an Bungie dafür!

Aber dann kommt der Artstyle und ganz ehrlich, der ist ein gewaltiger Elefant im Raum. Während das Hauptmenü noch einen unfassbar coolen, neon-durchtränkten Cyberpunk-Vibe versprüht, bricht die Immersion auf den Maps (wie Perimeter oder Dire Marsh) komplett zusammen:

  • Fehlende Details: Die Texturen wirken teils wie aufgemalt. Man hat unfassbar oft das Gefühl, in einer „Klemmbaustein-“ oder „Roblox“-Welt aus übergroßen, glatten Klötzen zu stehen.
  • Schlechte Lesbarkeit: Weil alles so extrem simpel und blockig gehalten ist, sieht jedes Gebäude von innen und außen fast gleich aus. Visuelle Identität oder klare Orientierungspunkte auf der Karte? Fehlanzeige.

Wenn ich das mit der Map-Gestaltung von Konkurrenten vergleiche, liegen da einfach Welten dazwischen.

UI & Looting: Maximal unübersichtlich

In einem Extraction Shooter geht es ums Looten; es muss intuitiv und rasend schnell gehen, denn jede Sekunde Stillstand kann der Kopfschuss sein. Marathon scheitert hier für mich aktuell massiv, besonders wenn man mit dem Controller spielt:

  • Viel zu kleine UI: Menüs und Icons sind winzig und mit kryptischen Symbolen überladen.
  • Was ist das überhaupt? Die visuelle Lesbarkeit der Items (Munitionsarten, Schilde, Implantate oder Status-Effekte) ist furchtbar. Man weiß im Eifer des Gefechts oft nicht im Ansatz, was man da eigentlich gerade vom Boden kratzt.
  • Hakelige Steuerung: Das Loot-System nutzt völlig unterschiedliche Tasten-Belegungen (X hier, Viereck da, gedrückt halten dort). Es dauert einfach alles viel zu lange, und das automatische Heil-System drückt einem teils Dinge rein, deren Statuseffekte man noch gar nicht richtig überrissen hat. Puh!

Gameplay & Gunplay: Wo ist die Bungie-Magie?

Ich habe ein flottes, wuchtiges Gunplay wie in Destiny erwartet, etwas, das sofort „Klick“ macht. Bekommen habe ich ein Spiel, das sich wahnsinnig träge anfühlt.

  • Ausdauer-Probleme: Man ist gefühlt ständig am Schnaufen und Überhitzen, kann nicht mehr sprinten und kriecht stellenweise wie eine Schnecke über die Map.
  • Das Gunplay: Versteht mich nicht falsch, es ist per se nicht grottenschlecht (ich habe danach zum Vergleich einen anderen Shooter gespielt, der meilenweit furchtbarer war), aber es fehlt der typische Impact. Es spielt sich schwerfällig und eben nicht nach dem erhofften „Bungie-Gefühl“.

Balancing: Terminator-NPCs und schwitziges PvP

Marathon will scheinbar so ein bisschen den Call of Duty DMZ-Ansatz gehen, und das bringt einige heftige Balancing-Probleme mit sich:

  • Niedrige TTK: Die Time-to-Kill ist extrem niedrig. Man hält wahnsinnig wenig aus, was insbesondere PC-Spielern mit Maus und Tastatur einen riesigen Vorteil im Crossplay verschafft (die Aim-Assist-Debatten laufen auf Reddit ja bereits heiß).
  • Übermächtige Roboter-NPCs: Die KI-Gegner sind oft viel zu stark. Sie spotten dich aus gefühlt 800 Metern Entfernung, werfen Granaten mit eiskalter Präzision und rasieren deinen Schild in Millisekunden weg.
  • Ineffektive Heilung: Wenn man schon so schnell stirbt, müssten sich Schilde und Gesundheit eigentlich zügig regenerieren lassen. Stattdessen dauern Heil-Items quälend lange.

Wer hier auf eine entspannte PvE-Erfahrung hofft, wird hart enttäuscht. In Marathon herrscht kompetitives Schwitzen.

Warnung: Für Solo-Spieler absolut unspielbar

Das muss an dieser Stelle ganz klar gesagt werden: Spielt dieses Spiel nicht solo! Es gibt zwar diesen speziellen Scavenger-Einstieg (wo man als „Rook“ spät im Match mit etwas Random-Loot spawnt), aber gegen eingespielte Dreier-Teams hat man nicht den Hauch einer Chance. Warum es keine dedizierten Solo- oder Duo-Modi gibt, ist mir absolut schleierhaft. Meine Solo-Runden waren eine einzige, reine Frustration.

Mein Fazit: Sind das 40 Euro wert?

Ich sag es euch, wie es ist: Nein. Zumindest nicht für mich im aktuellen Zustand.

Marathon ist zwar einsteigerfreundlicher als ein Tarkov, aber die Menüs sind zu umständlich, das Gunplay ist zu träge, und die geringe Time-to-Kill gepaart mit dem Konzept des Extraction-Genres wird die typische Casual-Community massiv abschrecken.

Hätte das Spiel ein Free-to-Play-Modell mit Mikrotransaktionen, würde ich sagen: Gebt ihm eine Chance, ladet es euch am 5. März runter. Aber für knapp 40 Euro Einstiegspreis? Dafür bietet mir die Konkurrenz im Extraction-Genre (wie z.B. ARC Raiders) einfach das rundere, charismatischere und besser lesbare Erlebnis. Ich werde den Release zwar beobachten, und wünsche das Bungie erfolg mit hat, aber für mich wird das wohl kein Dauerbrenner werden.

Wie seht ihr das? Habt ihr den Server Slam jetzt im Februar auch gespielt und feiert den Artstyle und das Gunplay vielleicht total ab? Schreibt es mir unbedingt in die Kommentare!

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