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Clair Obscur: Expedition 33 – Hype, Kunst und Kampf

Okay, es wird Zeit, wir müssen nun doch mal dringend über das Spiel reden, das gefühlt das gesamte Internet und sehr viele Wohnzimmer im Sturm erobert hat.

Die Rede ist natürlich von Clair Obscur: Expedition 33. Nachdem das Ding bei den Game Awards im Dezember so richtig abgeräumt hat, habe ich jetzt Anfang Januar endlich selbst ein bisschen Zeit gefunden und mich an Clair Obscur getraut. Und was soll ich sagen? Ich kann den Hype um das Spiel gut verstehen, aber er kommt mit einer kleinen Portion „Gaming-Muskelkater“.

Hier ist mein (zugegeben sehr subjektiver) Erfahrungsbericht zu diesem bildgewaltigen Trip.

Wenn ein Gemälde zum Albtraum wird

Als ich die ersten Spielstunden hinter mir hatte, war mir sofort klar, warum Sandfall Interactive (übrigens ein Französisches Spiele-Studio aus Montpellier) gerade so gefeiert wird. Diese Mischung aus malerischer Grafik, tolle Stimmung, einem melancholischen Soundtrack, der direkt in die Seele schneidet, und einer erstaunlich emotionalen Story hat mich ordentlich gepackt.

Das Ganze wirkt optisch fast wie ein lebendig gewordenes Gemälde der Belle Époque, nur dass dieses Gemälde dir ständig klarmacht, dass du bald sterben wirst. Die Story-Prämisse ist nämlich absolut genial (und auch ein bisschen creepy): Die „Paintress“ (also die Malerin) wacht einmal im Jahr auf und malt eine Zahl auf ihren Monolithen, immer eine Nummer niedriger als im Vorjahr. Jeder Mensch in diesem Alter löst sich sofort in Rauch auf. Dieses Jahr ist die Zahl 33 dran… und unsere Truppe, die Expedition 33, ist der letzte Versuch, diesen unerklärlichen Wahnsinn zu stoppen. Wer würde da nicht melancholisch werden? Dieser erzählerische Kniff, das Ende der Welt als Countdown zu inszenieren, hat mich sofort abgeholt. Was steckt hinter dieser Welt? Warum tut sie das? Ich wollte es sofort wissen, ich wollte Antworten!


Tanz auf dem Vulkan (oder auf dem Controller)

Das Grundgerüst fühlt sich erst einmal nach klassischem JRPG im Französischen Look an, aber beim Kampfsystem hört die Gemütlichkeit auf. Es ist eine wilde Kreuzung aus rundenbasiertem RPG, Rhythmusspiel und Quick-Time-Events (QTEs). Klingt abgefahren? Ist es auch, es funktioniert erstaunlich gut aber manchmal nervt es auch ein bisschen!

  • Der Kick: Wenn man Angriffe perfekt pariert oder im richtigen Moment den Button für den Crit-Treffer hämmert, fühlt sich das unfassbar befriedigend an. Es ist „Reactive Turn-Based“ vom Feinsten.
  • Der Knackpunkt: Ich bin ehrlich mit euch – nach ein paar Stunden ging mir das dauernde Timing-Gehämmer ein bisschen auf die Nerven. Versteht mich nicht falsch, es ist fordernd und innovativ, aber irgendwann fehlte mir diese entspannte „RPG-Trance“, in der man einfach mal abschaltet und in die Welt eintaucht. Manchmal will man halt nicht bei jedem kleinen Mob-Kampf so schwitzen, als stünde man im Finale der EVO, oder?

Zwischen Tiefgang und „Handy-Momenten“

Die Charaktere in Clair Obscur: Expedition 33, und da vor allen Gustave und Maelle, sind fantastisch geschrieben und werden von einem Star-Cast (hallo, Andy Serkis und Ben Starr!) vertont, der das Ganze auf ein echtes Blockbuster-Niveau hebt. Die Dialoge geben der Welt eine enorme Tiefe und man merkt an jeder Ecke, dass da richtig Herzblut drinsteckt.

Aber (ja, ein kleines Aber gibt es), Manche Gespräche ziehen sich wie Kaugummi und fühlen sich unnötig gestreckt an. Kennt ihr das, wenn ihr eigentlich wissen wollt, wie ihr den nächsten Boss legt, aber die Charaktere erst mal die philosophische Bedeutung von Schattenfarben diskutieren? Ich habe mich dabei erwischt, wie ich irgendwann nebenher kurz auf dem Handy rumgescrollt habe und dann doch wieder eine super wichtige Info mitten drin verpasst habe! Das Erzähltempo ist teils wirklich eigenwillig, aber die Qualität der Texte ist doch so hoch, dass man den Entwicklern den Hang zum Pathos eigentlich nicht krummnehmen kann.

Mein Fazit: Kunst, die Zeit braucht

Warum ich trotz meiner kleinen Durchhänger definitiv zurückkehren werde? Weil Clair Obscur: Expedition 33 kein Fast-Food-Gaming ist. Es ist atmosphärisch, kreativ und emotional so dicht, dass es noch lange im Kopf bleibt, nachdem die Konsole aus ist.

Für wen ist es was?

  1. Grafik-Enthusiasten: Wenn du Unreal Engine 5 mal so richtig glänzen sehen willst.
  2. Story-Liebhaber: Wenn du Lust auf ein frisches, unverbrauchtes Setting hast.
  3. Reflex-Junkies: Wenn dir herkömmliche Rundenkämpfe zu langweilig sind.

Ein kleiner Tipp von mir: Spielt Clair Obscur Expedition 33 nicht zwischen Tür und Angel. „Expedition 33“ ist kein Spiel, das man einfach mal nebenbei durchhetzt, es will erlebt werden. Man braucht Geduld, viel Geduld für die Dialoge und Aufmerksamkeit, plus fitte Daumen für die Kämpfe. Wenn man sich darauf einlässt, bekommt man eines der originellsten RPGs der letzten Jahre.

Was sagt ihr? Habt ihr euch auch schon an der Paintress in Clair Obscur: Expedition 33 versucht oder schreckt euch das aktive Kampfsystem eher ab? Schreibt es mir mal in die Kommentare!

Published inAllgemein

7 Comments

  1. AchJa4

    Geht mir ähnlich, Stil und Musik sind mega, aber die Lernkurve ist knackig. Beim dritten Boss saß ich ewig an den Parrys und dem Timing. Ist das der kleine Haken den du meinst?

  2. Poppy

    Der dritte Boss? Ich hab da mehr im Takt geklatscht als auf einem Konzert, trotzdem frisst das Parry meine Inputs. Hype versteh ich, die Kunst knallt, aber manchmal fühlt sich’s an wie Hausaufgaben in schön. Ist das Absicht oder fehlt dem Spiel ein bisschen Nachsicht für Grobmotoriker wie mich?

  3. Daniel H.

    Schön anzusehen, klar, aber für mich trägt die Kunst den Rest zu sehr. Die Kämpfe laufen nach ein paar Stunden auf dieselben Muster hinaus, Builds und Taktiken wirken enger als der Hype suggeriert. Merkt das noch jemand, oder überstrahlt die Optik gerade alle Schwächen? Ich hätte gern weniger Spektakel und mehr spielerische Tiefe

  4. Philipp

    Ich liebe es total, jedes Bild ist ein Gemälde und die Musik trägt die Kämpfe so krass. Beim dritten Boss hab ich plötzlich gecheckt, dass man wirklich im Takt denken muss, seitdem klickt es und es fühlt sich wie Tanzen an. Hype absolut verdient, ich grinse seit Tagen 😊

  5. SelinP

    Ich hab dem dritten Boss Backstein-Hände entgegengeworfen, das Spiel so, klatschen im Takt oder gar nicht. Kunst top, Lesbarkeit flop, im Effektgewitter sind die Cues so sichtbar wie Nebel im Nebel. Liegt das an meinen Kartoffel-Reflexen oder frisst das Ding Inputs, sobald die Grafik explodiert?

  6. MysticMarauder

    Ich hab mehr Zeit im Fotomodus verbracht als im Skilltree, das Kunstmuseum hat gewonnen. Die Story tut sehr mysteriös, liefert dann aber Kalenderweisheiten mit Nebelmaschine. Wenn das der kleine Haken ist, passt es, ich drückte jedenfalls öfter auf Skip als auf Parry.

  7. V. Schmitz

    Mir geht es ähnlich, der Look ist überragend, aber ich ringe mit der Lesbarkeit in den Kämpfen. Wenn viele Effekte gleichzeitig feuern, gehen mir Parrys flöten, weniger wegen Timing als wegen verpassten Cues. Gibt es im Menü eine Option für reduzierte Effekte oder klarere Telegraphies, die bei dir geholfen hat?

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